Aventurisches Naschwerk

Seien wir mal ehrlich: So gerne wir alle durch monsterverseuchte Dungeons kriechen, den ultimativen Masterplan des gerissenen Bösewichts vereiteln und mit den mühsam errungenen Abenteuerpunkten unsere Helden aufleveln - eigentlich ist einer der wichtigsten Faktoren, warum wir uns so gerne zu Rollenspielsitzungen treffen, der ständige Konsum von Süßigkeiten und Knabberkram! Und wer nach all den Jahren genug vom ständig gleichen Naschwerk hat, kreiert einfach seine eigenen Süßigkeiten. Hier erfahrt Ihr, wie Ihr Kalorienbomben im DSA-Design herstellen könnt.

Eine kleine rechtliche Absicherung vorweg: Im Folgenden wird das offizielle DSA-Logo und die Dämonenkrone als Vorlage für eigene Süßigkeiten verwendet. Die Logos unterliegt dem Copyright der Significant Fantasy Rechte GmbH bzw. Ulisses, und werden daher von mir nur für den privaten Einsatz verwendet. Daher kann ich leider, ohne zuvorige Genehmigung und/oder Lizensierung von Ulisses, keine 3D-Modelle als Download veröffentlichen oder gar fertige Gussformen verkaufen. Wenn zusätzliche juristische Bedenken gegen die folgende Anleitung bestehen, bitte ich um eine Benachrichtigung.

Das Ziel

Seit über drei Jahrzehnten ist Das Schwarze Auge schon auf dem Markt, und auch wenn das neue, vollfarbige Hardcover-Regelwerk von DSA5 kaum noch etwas mit dem spröden Charme der ersten DSA-Basisbox gemeinsam hat, ist eine Sache doch in all den Jahren mehr oder weniger unverändert geblieben: Das DSA-Logo!

Jahrzehnt um Jahrzehnt hat es tapfer die verschiedensten Publikationen geziert, war auf Boxen, Regelwerken, Romanen, Würfelbechern, Tassen, Computerspielen und unzähligen anderen Merchandising-Produkten zu sein. Aber eine Sache habe ich bisher noch nie gesehen: Eine eigene DSA-Süßigkeiten-Reihe. Dabei ist dieser Anwendungsfall für Rollenspiel-Abende doch eigentlich wie geschaffen! Wer möchte nicht beim Orks wegschnetzeln ein paar DSA-Schoko-Logos, eine Borbarad-Weingummi-Dämonenkrone, einen Rohaja-Karamell-Bonbon-Dukaten oder einen Praios-Keks naschen?

Unser Ziel: Ein Schwarzes Auge Logo aus Schokolade!

Da es offiziell keine derartigen Produkte gibt, müssen wir eben selbst aktiv werden! Für den ambitionierten Zuckerbäcker folgt eine Anleitung zum Erstellen einer eigenen aventurischen Süßigkeiten-Kreation!

Das 3D-Modell

Ausgangspunkt für unsere Süßigkeitenproduktion ist eine Gussform, die wir am Computer entwerfen. Als erstes müssen wir aus den bekannten zweidimensonalen Logos und Symbolen ein dreidimensionales Objekt erzeugen. Ich verwende dazu die in einer kostenlos Version verfügbare Software SketchUp, die man entweder herunterladen und installieren, oder direkt im Browser verwenden kann.

Als einfaches Beispiel verwende ich im folgenden die borbaradsche Dämonenkrone als Vorlage, da sie geometrisch sehr einfach aufgebaut und daher leicht nachzubauen ist. Das gleiche Prinzip lässt sich aber auch auf das DSA-Logo, die Zwolfgötter-Symbole oder beliebige andere Logos anwenden.
Borbarads siebengezackte Dämonenkrone soll uns als einfaches Beispiel dienen

Schritt 1: Zunächst importieren wir das gewünschte Logo als Bild in SketchUp, platzieren es im Koordinatenursprung und skalieren es so, dass es den Bildschirm einigermaßen füllt.

Schritt 2: Mit dem Kreiswerkzeug zeichnen wir den inneren kleinen Kreis direkt auf das Bild.

Schritt 3: Mit dem Outline-Werkzeug zeichnen wir, ausgehend vom ersten Kreis, den zweiten Kreis nach.
Schritt 4: Bevor wir mit den anderen Kreisen fortfahren, zeichnen wir erstmal die Zacken: Mit dem Stiftwerkzeug wird die oberste Zacken so nachgezeichnet, dass sie in den äußeren Kreis hineinragt.

Schritt 5: Mit dem Rotieren-Werkzeug wird die Zacken sechsmal kopiert. Als Mittelpunkt wählen wir den Kreismittelpunkt, geben als Winkel "360" ein, bestätigen mit "Enter" und geben schließlich "/7" ein, um insgesamt sechs Kopien der Zacke zu erzeugen.

Schritt 6: Nun werden erneut mit dem Outline-Werkzeug zwei weitere Kreise eingezeichnet. Der äußere Kreis sollte die Zacken etwas nach außen überragen.

Schritt 7: Mit dem Radiergummi können nun die in den Kreis hineinragen Zacken so wegradiert werden, dass nur noch die gewünschte siebengehackte Kreisform übrig bleibt.

Schritt 8: Mit dem Push-Pull-Werkzeug werden der innere Kreis, der siebengehackte Ring etwas nach oben und der äußere Kreis nach unten gezogen, um die gewünschte Form einer Borbarad-Münze zu erhalten.

Herzlichen Glückwunsch, wir haben soeben ein 3D-Modell eines im Großteil Aventuriens verbotenen Symbols gefertigt! Jeder Bannstrahler würde uns dafür unverzüglich auf dem Scheiterhaufen rösten. Aber dieses Risiko sollte uns die lockende Süßspeise doch wert sein!

Wer hingegen, wie wir, zu feige für borbaradsche Symbolik ist, kann auch einfach nach dem gleichen Prinzip das DSA-Logo in SketchUp nachbauen. Mit dem Text-Werkzeug kann ein mehr oder weniger ähnlicher Schriftzug eingefügt werden. Das Auge mit seiner gekrümmten Oberfläche ist etwas schwierig zu modellieren und sollte mit einem Ausschnitt aus einer Kugeloberfläche approximiert werden. Wer sich das nicht zutraut, kann auch einfach ein flaches Auge verwenden.

Nun haben wir also ein wunderschönes 3D-Modell erzeugt. Doch wie wird nun aus diesem virtuellen Objekt nun eine tatsächlicher Gegenstand?

Der 3D-Druck

Um solche 3D-Modelle in reale Gegenstände zu verwandeln, gibt es schon seit vielen Jahren die sogenannten 3D-Drucker. Obwohl sie mittlerweile vergleichsweise günstig geworden sind, dürften dennoch die wenigsten Rollenspieler ein solches Monstrum in ihrer Wohnung stehen haben.

Glücklicherweise gibt es aber auch zahllose Internet-Anbieter, die das Drucken von 3D-Modellen zu erschwingliche Kosten übernehmen. Wir haben unser DSA-Logo bei i.materialize drucken lassen. In der Größe 132 x 34 x 9 mm kostete der Druck gerademal 18,75€ (plus Versand). Knapp zwei Wochen nach Bestellung kam das wunderschöne Kunstwerk an.
Bestellung auf der Webseite des 3D-Druckanbieters

Das Modell wurde bewusst groß bestellt, weil so die Details der Schrift besser durchkommen und ausreichend groß für die Erstellung der Gussform sind. Wer weniger Details hat (z.B. bei der Borbarad-Krone) oder kleinere Bonbons produzieren möchte, kann das Objekt bei der Bestellung beliebig verkleinern.
Weiches Erstarre: Aus unserer virtuellen Idee wurde ein handfester Gegenstand
Nun haben wir also ein DSA-Logo aus feinstem Polyamid. Schön sieht es ja aus - aber wirklich essbar ist das noch nicht. Wo bleiben denn nun endlich die versprochenen Süßigkeiten?

Die Gussform

Gemach, gemach. Mit dem Original-Logo können wir leider noch nicht viel anfangen. Wir brauchen stattdessen eine Gießform, die das Objekt invertiert abbildet. Damit sich unsere Süßigkeiten wieder problemlos aus der Form entfernen lassen, muss die Form biegsam sein. Und um kein Klarum Purum auf sich selber sprechen zu müssen, sollte die Gießform lebensmitteltauglich sein (von Experimente mit klassischem Fugen-Silikon aus dem Baumarkt würde ich entschieden abraten)!

Dank der unergründlichen Weiten des Internets ist auch ein solcher Zauberstoff schnell gefunden: Lebensmittelechter Silikon-Kautschuk zum Anfertigen von Gussformen. Zwei Flaschen mit insgesamt 500 g Inhalt gibt es bei Amazon für ca. 28 €. Sicher, das ist teuer, aber diese Menge sollte, je nach Größe der Formen, für drei bis fünf Gussformen ausreichen.
Der Silikon-Kautschuk kommt in Zwei-Komponenten-Flaschen daher
Vor dem Anrühren der Silikon-Masse muss das nachzuformende Objekt in einem Rahmen befestigt werden. Ich habe dazu die Lego Duplo Bausteine meiner Tochter zweckentfremdet. Das DSA-Logo wurde mit beidseitigem Klebeband möglichst dicht am Untergrund befestigt, damit wenig Gießmasse dahinter laufen kann.
Meine Tochter möge mir den Diebstahl der Lego-Steine verzeihen
Die zwei Komponenten der Silikon-Masse werden in einem Rührbecher im Verhältnis 1:1 gemischt und bleiben für etwa 5 Minuten fließfähig. Genug Zeit also, um die Form ordentlich bis zum Rand zu füllen. Aufsteigende Luftblasen sollte man direkt mit einem Zahnstocher zerplatzen lassen, um später Löcher in der Form zu vermeiden. Das Abbinden der Mischung dauert ein paar Stunden - man sollte sich also etwas gedulden, um die Form nicht frühzeitig zu beschädigen.
Vor dem Einfüllen sollte die benötigte Menge ausgerechnet oder abgeschätzt werden
Das Ergebnis all der Mühen ist eine sehr detailgetreue Abbildung der Vorlage: Alle Buchstaben sind zu erkennen, das Silikon ist bei mir selbst in die kleinsten Vertiefungen des 3D-gedruckten Logos gelaufen. Überstehende Ränder (besonders an der aufgeklebten Seite des Logos) sollten mit einem Skalpell oder einer Schere entfernt werden.
Das Schöne ist: Man kann natürlich auch mehrere Formen mit der selben Vorlage produzieren!
Mit einer oder mehreren Gussformen ausgestattet, kann uns nicht mal der Namenlose mehr aufhalten! Jetzt beginnen wir endlich mit der Süßwaren-Produktion!

Die Süßigkeiten

Wir haben die Formen, und wir werden sie benutzen! In unserer Spielrunde wurden zwei Versuchsreihen gestartet: Eigene DSA-Weingummis, und DSA-Schokolade.

Für das Weingummi wurden verschiedene Rezepte ausprobiert: Einige stammten aus dem Buch Fruchtgummi selber machen, die anderen aus dem Internet. Dabei zeigte sich schnell, dass die Herstellung leckeren Weingummis eine echte Gratwanderung ist: Entweder ist zu viel Geliermittel enthalten, wodurch die Bonbons zäh und geschmacklos werden, oder aber die Masse ist zu weich, um heil aus den Gussformen befreit zu werden.

Versuche, das Weingummi wie bei den Profis direkt in Speisestärke zu stempeln, scheiterten leider kläglich - zum einen an der Konsistenz der Gummimasse, zum anderen an der Form unseres Logos: Da das Logo nicht konisch zulaufend ist, wird die Speisestärke schon beim Herausziehen des Stempels beschädigt. Es hat schon seinen Grund, warum Gummi-Bärchen unten sehr viel dicker als oben sind.
Dieses Waldmeister-Weingummi sieht schmackhaft aus, ging aber leider beim Lösen aus der Form kaputt
Nach einem halben Dutzend Versuchen (und einer sehr klebrigen Küche) war das Ergebnis ernüchternd: Das einzige Rezept, das einigermaßen ansehnliche Weingummi-Logo ergab, enthielt so viel Gelatine, dass das Result laut Aussage der Testesser der Konsistenz und dem Geschmack von Fensterkitt sehr nahe kam. Mitspieler Farsijian konnte sogar nichtmal unter geballtem meisterlichen Druck zum Weiteressen seines Bonbons genötigt werden.

Glücklicherweise traf die Schokolade schon eher den Geschmack der Spieler: Gefertigt aus reinster Vollmilch-Kuvertüre, wohltemperiert in einem Wasserbad, überwacht mit einem Laser-Thermometer, wurden mehrere Chargen leckerer Schokoladen-Logos gefertigt.
Man beachte die Schokoladen-Kristalle auf der Oberfläche
Dass die resultierende Schokolade trotz aller Bemühungen eine leicht inhomogene Struktur hatte und sich an der Oberfläche deutlich Kristallformen bildeten, erwies sich im Nachhinein als Glücksfall, verliehen sie doch dem Logo eine schöne marmorierte Oberfläche, die dem Geschmack glücklicherweise nicht abträglich war. Im Gegenteil: Selbst Farsijian verschlang sein Exemplar ohne Murren, und sparte nicht mit Lob ob des hervorragenden Geschmacks.
Die Gussform erfüllte ihren Zweck sehr gut - trotz einiger abgebrochener Ecken

Das Fazit

Eine Menge Aufwand, eine lange Vorbereitungszeit, für einen sehr kurzen Aha-Effekt und ein kurzes, gieriges Verschlingen des Endprodukts. Hat sich der Aufwand gelohnt? Ich würde sagen: Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Mir hat es Spaß gemacht, ein eigenes 3D-Objekt zu gestalten und in eine Gussform zu wandeln.

Das Experimentieren mit den verschiedenen Rezepturen erwies sich hingegen als eher frustrierend: Ein leckeres und ansehnliches Weingummi ist mir, trotz diverser Experimente mit Agar Agar, Apfelpektin und Pulver-Gelatine, nicht gelungen. Die Schokolade wurde, wie erwartet, hervorragend und wurde begeistert aufgenommen - auch wenn sie trotz aller Mühen wohl wieder nicht richtig temperiert war.
Von oben nach unten: 2xDSA-Weingummi, eine Vorlage und 4xDSA-Schokolade
Weitere Experimente in Richtung Karamell-Bonbons oder DSA-Keksen habe ich mir für die Zukunft aufgehoben. Wir werden über das Resultat berichten.

Das war sie also: Die Massenproduktion des aventurischen Zuckerbäckers. Viel Aufwand, wenig Ertrag, dafür aber viel Spaß. Wir würden uns freuen, wenn jemand diese Ideen aufnimmt und selbst kreativ wird. Schickt uns Bilder Eurer Kreationen und Eure gefundenen Lieblingsrezepte. Möge Travia dafür sorgen, dass Ihr ab jetzt immer Süßigkeiten in Eurem Heim habt!

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