Spielbericht: Namenlose Nacht (Teil 3)

Noch immer ist eine junge Frau verschwunden, und ihr Herr Vater und drei tapfere Helden versuchen sie im skandalösen Treiben der Orgie in der Bardo-Therme wiederzufinden. Werden die Helden die mysteriöse Inschrift auf der Büste des Thermen-Erbauers entziffern können? Geht es hier um mehr als schnöde Wolllust und niederträchtige Erpressung? Vielleicht erfahren wir heute mehr - im dritten Teil unseres Spielberichts zum ersten aventurischen Ab-18-Abenteuer!


Wie immer gilt die Warnung: Der folgende Text ist prall gefüllt mit Spoilern zum DSA-Abenteuer "Namenlose Nacht". Wer das Abenteuer selbst noch als Spieler erleben möchte, sollte keinesfalls weiterlesen. Was zuvor geschehen ist, kann man in Teil 1 und Teil 2 des Spielberichts erfahren.

Wir finden unsere Heldentruppe noch immer im Park der Bardo-Therme, vor der Statue des Baumeisters, Magiers und Mathematikers Farathos wieder. Die mysteriöse Botschaft wird analysiert und wildeste Theorien entwickelt. "Unter Hesindes und Praios Blick...". Stand da nicht irgendwo diese Hesinde-Statue?

Die erste gute Idee führt unsere drei Orgiasten zurück in den Lesesaal, wo sie besagte Statue auf ein Wandbild starren sehen. Praios entsendet vier Kämpfer mit Szepter, Richtblock, Lineal und Sanduhr und Gesetz gegen das lästerliche Treiben vor einer echsischen Pyramide, wo in einem Kessel Alte verjüngt und Junge gealtert werden. Hat der Gesetz-Träger nicht das Antlitz von Farathos? Und zeigt das offene Buch in seiner Hand die Ziffer 68?

Schnell werden in der Bibliothek die Bücher gewälzt, und siehe da: Ein handschriftlicher Hinweis in einem theologischen und (weil in Bosparano verfasst) für die Helden unleserlichen Praios-Buch wird gefunden:

Dem gilt es zu wehren.
Verbinde die Tugenden Hesindes und Rahjas
sowie Tsas und Peraines!
Wirf hinein Firuns Gabe an das Geschuppte
und gehe dem Geheimnis auf den Grund.

Firuns Gabe? Da war doch was im Frigidarium! Boron-Geweihter Bruder Torjan macht sich auf zum Kältebecken und findet im Wasser ein Mosaik, das Firun zeigt, der 13 Perlen in das Maul einer zweiköpfigen Echse schüttet (ein Kopf einer Eidechse, der andere einer dreizehn-gehörnten Hornechse).

Unterdessen hat Toralin Nachtgesang den des Bosparano fähigen Auftraggeber Korninger aufgespürt und mit ihm den Praios-Text untersucht.  Der Text faselt von einem "Ritual ketzerischer Tsa-Anhänger", das "alle 13 Jahre durchzuführen ist" und bei dem "Dreizehn für Einen altern".

Party-Baron Farsijian aus Syneggyn untersucht währenddessen die benachbarten Räume, und stößt im Vortragsaal (der zur Tanzfläche umgestaltet wurde) die verstörte Haindora Galming wieder, die noch immer ihre Cousine Geropolda Werckenfels sucht. Vor einer Stunde sei sie mit einem Halbelfen im freizügigen Kostüm (Taradiel?) im Caldarium gesehen worden, bevor sie spurlos verschwand. Aha! Ein langes erotisches Treffen, oder eine weitere blonde junge Schönheit, die den Mädchenhändern in die Hände gefallen ist? Der Baron verspricht, sich um das Problem zu kümmern. Erstmal geht er aber tanzen!

Torjan versucht den mysteriösen zweiten Halbelfen zu finden, von dem er überzeugt ist, dass es sich bei diesem um einen Rahja-Geweihten handeln müsse (wie unser Boroni auf diese Idee kommt, ist rätselhaft - lustigerweise stellt sich seine Theorie später aber als zutreffend heraus). Toralin hingegen findet den gesuchten Rahja-Geweihten zufällig, spricht ihn aber nicht an, weil er nicht nochmal von ihm abgeknutscht werden möchte. Stattdessen sucht der Elf weiter nach dem Güllner, der irgendwas mit der mysteriösen Quellnymphe getuschelt hatte. Der Güllner ist aber nirgendwo im Erdgeschoss der Therme aufzutreiben.

Farsijian tanzt sich zeitgleich bravourös an eine ältere Tänzerin (Weida Schwarztopf) heran, wird aber rüde von deren eifersüchtigen Ehemann Xerber zurückgepfiffen. Bevor es zu einer ernsthaften Schlägerei kommt, beruhigen sich beide Streithähne wieder. Der enttäuschte Maraskaner setzt seine Erkundung der noch unbesichtigten Räume weiter fort. Im mit düsterem Gestein ausgekleideten Massagesaal, wo er eine Wanne mit Stutenmilch, die lateinische Inschrift "Refugium Senectorum" und einen leeren Statuensockel findet, zapft er sich einen Becher Stutenmilch ab, in der Hoffnung, diese für die Lösung des Rätsels nutzen zu können. In der Bibliothek findet er Hinweise auf eine von Farathos geleitete Expedition in die Echsensümpfe von 16 bis 21 Bardo. Der Schädel einer Hornechse und das Mosaik einer großen Aventurien-Karte fallen außerdem ins Auge. Die Küche ist für Partygäste unzugänglich. Im Rauchsalon erfährt der unbedarfte Held, wofür eine belhankanische Wand, ein Olisbos oder eine Stoßschaukel verwendet werden. Außer der funzeligen magischen Deckenleuchte ist der Raum ansonsten aber uninteressant. So macht sich der ehemalige Streuner daran, die Tür zur verschlossenen Schreibkammer zu knacken.

Unterdessen hat unser Boron-Geweihter genug von den fehlenden intellektuellen Gesprächspartnern innerhalb der Therme, und beschließt im hiesigen Firun-Tempel nach Informationen zu "Firuns Geschenk an die Geschuppten" zu suchen. Sein Versuch, das Thermengelände zu verlassen, wird jedoch jäh von einer plötzlich erscheinenden Eiswand gestoppt, die den gesamten Park zu umschließen scheint. Durchbrechen ausweglos! Auf dem Weg zurück in die Therme begegnet er nun endlich dem Rahja-Hochgeweihten Talafeyar Rahjakind, der ihm seine Unterstützung im Kampf gegen die frevlerischen Rituale und die mysteriöse Eiswand zusagt. Einer Hure, die vom letzten Freier bis zur tiefsten Erschöpfung geliebt wurde, hilft der Boron-Geweihte mit einem Glas Wasser und sorgt dafür, dass man sich um die blasse Frau kümmert.

Toralin Nachtgesang hat inzwischen erkannt, dass sich der Güllner Rauert wohl die meiste Zeit im Keller der Therme aufhält, und findet ihn in der Abwasserhalle. Der Alte berichtet, dass er seit der Eröffnung der Therme hier arbeitet, dass die Quellnymphe anscheinend Angst vor Ratten hat und er deshalb überall Rattenfallen aufstellen sollte, dass Baumeister Farathos als zweiter Hofmagier Bardos und Cellas eine Expedition in die Echsensümpfe anführte, wo er die "Quelle des Ewigen Lebens" suchen sollte, und dass er zwei Tage nach der sechsjährigen Bauzeit der Therme ins leere Becken des Caldariums stürzte und sich das Genick brach. Außerdem erzählt Rauert, dass es vier Göttinnen-Statuen gibt: Hesinde im Lesesaal, Rahja im Caldarium, Tsa im Silbernen Salon und Peraine im Massagesaal. Letztere Statue wurde aber beschädigt und lagert momentan im Abstellraum. Da Rauert sich weigert, den Schlüssel herauszurücken und den ohnehin genervten Elfen mit Scheisse bewirft, wird er freizauberisch malträtiert und ins Abwasserbecken befördert, wo er nur knapp dem Ertrinken entgeht. Leg Dich nicht mit dem Agro-Elfen an! Die Abstellkammer stellt sich aber bei näherer Betrachtung als langweilig heraus.

Streuner-Baron Farsijian hat inzwischen die Tür zur Schreibkammer geknackt und die Unterlagen durchsucht. In der Thermenchronik findet er heraus, dass vor 13 Jahren schon einmal auf mysteriöse Weise 7 Menschen um's Leben gekommen sind. Vor 26 Jahren starb hingegen nur eine Person. Der Bademeister Orgrim ist seit 532 Wochen trockener Alkoholiker. Ein Schlüsselbund wird beherzt eingesteckt. Beim Öffnen der Luke zum darunter liegenden Kellerraum kommt plötzlich jemand durch die Tür in die Schreibkammer. Schnell durch die Luke und diese schließen! Unentdeckt findet sich Farsijian in einem Privatkeller wieder. Scheint, als ob Gastgeber Zurbaran ein Paktierer des Namenlosen ist. Aus einer der Kisten hat gerade noch jemand ein paar Rattenpilze geerntet. Zur Verfütterung an die ahnungslosen Partygäste? Eine verschlossene Reisetruhe entpuppt sich als tragbarer Namenlosen-Schrein. Die dort versteckte Saguaraspinne wird prompt zertreten, aber erst nachdem sie unserem Helden einen äußerst schmerzhafen Biss zugefügt hat. Kaum zu einem klaren Gedanken fähig, entdeckt Farsijian in der Truhe neben Ritualzubehör und einer Beschreibung der Namenlosen-Liturgie "Ewige Jugend" noch einen Brief, der Zurbaran und seinen Schergen T. als Mädchenhändler entlarvt. Ist T. etwa Halbelf Taradiel? Farsijian flieht durch die Kellertür und findet im Innenhof seine Gefährten wieder.

Dort berichtet gerade Korninger aufgeregt, dass er einen zweiten Brief der Erpresser erhalten hat, laut dem er um Mitternacht (also in wenigen Minuten) in der Kaisergrotte sein soll. Also machen sich alle vier auf den Weg zur Kaisergrotte, wo sie "Kaiser Bardo" (Schauspieler Xeledio) begrüßt und sie, im Wasser stehend, ein aufwändiges Theaterstück um wilde Mohas, weiße Questadores, Krokodil- und Ameisenattacken und den Quell des Lebens miterleben. Außer den Helden und Korninger befinden sich noch Zurbaran, die Quellnymphe, ein Wolf, die Kosch-Adelige Jolantha von Wengenbruck, Weida Schwarztopf und ihr Mann Xerber, der junge Schauspieler Danielo Dragenglanz , sowie zwei Moha-Bedienstete im Wasser. Während der Vorstellung tritt eine Moha-Dienerin an Korninger heran, gibt sich als die Briefeschreiberin zu erkennen, nimmt das versprochene Geld und berichtet, dass tatsächlich Taradiel hinter den Mädchenentführungen steckt, und er seine Opfer vermutlich im alten Wasserturm im zugewachsenen Norden des Thermenparks versteckt hält. Kaum hat das Stück um halb eins geendet, machen sich Korninger und die Helden auf, die entführte junge Frau aus dem Wasserturm zu befreien...

Hiermit endet der dritte Teil der rätselhaften Ereignisse in der Bardo-Therme. Werden die Helden, nur bewaffnet mit einer Vorhangstange und viel Selbstbewusstsein, die junge Maid befreien können? Was steckt hinter der mysteriösen Eisbarriere, die alle in der Therme gefangen zu halten scheint? Was soll das ganze Gerede um finstere Rituale, Ewiges Leben, Göttinnenstatuen, bornische Silbermünzen, Rattenfallen, versteckte Inschriften, Geistererscheinungen und billige Dschungel-Schauspiele? Das alles und noch viel mehr erfahren wir hoffentlich beim nächsten Mal, im vierten Teil der Namenlosen Nacht in den Thermen...

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